Wissen · Zirkuläres Bauen

Zirkuläres Bauen: Bauteile im Kreislauf halten

Zirkuläres Bauen plant Gebäude so, dass Bauteile und Materialien möglichst lange genutzt werden – durch Wiederverwendung, Reparatur und rückbaufreundliche Konstruktion. Grundlage sind Bauteile, die man findet, prüft und vermitteln kann.

ConcularExchange: Zirkuläres Bauen

Warum zirkulär bauen?

Die gebaute Umwelt verbraucht in der EU rund die Hälfte aller abgebauten Rohstoffe, und Gebäude und Bau verursachen weltweit rund ein Drittel der CO₂-Emissionen. In Deutschland ist der Bau mit 182,8 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfällen im Jahr 2024 der größte Abfallstrom. Recycling-Baustoffe decken dagegen nur einen kleinen Teil des Bedarfs. Jedes wiederverwendete Bauteil spart Rohstoffe, Entsorgung und die graue Energie eines neuen Produkts.

Die Prinzipien

  • R-Strategien: Reduce, Re-Use, Repair, Refurbish, Recycle – in dieser Rangfolge, angelehnt an die Abfallhierarchie des KrWG.
  • Design for Disassembly: lösbare Verbindungen, damit Bauteile später wieder ausgebaut werden können.
  • Materialpass und Gebäuderessourcenpass: Dokumentation auf Produkt- und Gebäudeebene, damit Bauteile auffindbar bleiben.
  • Design follows availability: Planung mit dem, was im Bestand oder in Bauteilbörsen verfügbar ist.

Zirkulär planen: die Leistungsphasen

Die Handlungsempfehlung von Concular für die öffentliche Hand erweitert die Leistungsphasen um zwei Stufen: eine Leistungsphase 0, in der geprüft wird, ob überhaupt neu gebaut werden muss, und eine Leistungsphase 10 für den späteren Rückbau. Dazwischen gilt „Design follows Availability“: Muster und Arbeitsproben zeigen früh, wie wiedergewonnene Bauteile aussehen, und Schönheitsfehler werden von echten Mängeln unterschieden. Wer saniert statt abreißt, erhält einen großen Teil der Ressourcen – bei einer Kernsanierung nach der Handlungsempfehlung rund 70 Prozent.

Der rechtliche Rahmen

Zirkuläres Bauen ist kein Sonderweg mehr, sondern wird von mehreren Regelwerken getragen:

  • EU-Taxonomie: Verwertungsquoten für Bau- und Abbruchabfälle; wiederverwendete Bauprodukte zählen nicht als Primärrohstoff.
  • Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110: bezieht gebrauchte Bauprodukte ein und schafft die Grundlage für einen digitalen Produktpass.
  • EPBD: Das Treibhauspotenzial über den Lebenszyklus wird für Neubauten schrittweise ab 2028 auszuweisen sein.
  • DGNB, QNG und Gebäuderessourcenpass: Zertifizierung und Förderung honorieren Wiederverwendung und Rückbaufähigkeit.
  • Normen: DIN SPEC 91484 für die Erfassung vor dem Rückbau, DIN SPEC 91525 für das Anschlussnutzungskonzept.

Wichtig für die Praxis: Die VOB/C geht von ungebrauchten Stoffen aus. Wer gebrauchte Bauteile einsetzt, vereinbart das ausdrücklich im Bauvertrag – wie das im Leistungsverzeichnis geht, zeigt die Seite Wiedergewonnene Bauprodukte ausschreiben. Für tragende Bauteile ist in der Regel eine Zustimmung im Einzelfall nötig.

Ist zirkuläres Bauen teurer?

Nicht automatisch. Wiederverwendete Bauteile sollten den Neupreis nicht übersteigen, und Entsorgungskosten fallen weg. In Referenzprojekten von Concular wurden Bauteile im Wert von mehreren Hunderttausend Euro weitergegeben und Baukosten gesenkt. Entscheidend ist der frühe Start: Das Audit sollte etwa ein halbes Jahr vor der Rückbauausschreibung stattfinden.

Der Weg zum ersten zirkulären Projekt

  1. Bestand erfassen und Bauteile mit Potenzial identifizieren.
  2. Anschlussnutzung festlegen und Abnehmer finden – intern oder über eine Bauteilbörse.
  3. Schonend rückbauen, prüfen, aufbereiten und zwischenlagern.
  4. Mit verfügbaren Bauteilen planen und einbauen.
  5. CO₂-Einsparung nachweisen und Gebäuderessourcenpass erstellen.

Zirkulär bauen mit ConcularExchange

ConcularExchange verbindet diese Schritte auf einer Datenbasis: Ihre Bauteilbörse bringt Angebot und Gesuch zusammen, Kaufanfragen laufen bis zur Abholung, und die Auswertung zeigt die realisierten Materialströme. Mit CircularLCA weisen Sie je Projekt die CO₂-Einsparung nach – für DGNB, QNG, BNB und Level(s).

Stand: November 2026. Quelle und weitere Informationen: Zirkuläres Bauen auf concular.de.

Häufige Fragen: Zirkuläres Bauen

Was ist zirkuläres Bauen?

Ein Ansatz, der Bauteile und Materialien möglichst lange im Kreislauf hält: durch Wiederverwendung, Reparatur, Aufbereitung und rückbaufreundliche Konstruktion – erst danach durch Recycling.

Was ist der Unterschied zwischen zirkulärem Bauen und Recycling?

Recycling gewinnt Rohstoffe zurück und verbraucht dafür Energie. Zirkuläres Bauen setzt früher an und erhält ganze Bauteile mit ihrer grauen Energie – Recycling ist nur eine der letzten Stufen.

Ist zirkuläres Bauen teurer?

Nicht automatisch. Wiederverwendete Bauteile sollten den Neupreis nicht übersteigen, Entsorgungskosten sinken, und Förderprogramme einzelner Länder und Kommunen unterstützen Re-Use-Projekte.

Dürfen gebrauchte Bauteile wieder eingebaut werden?

Ja. Der Einsatz wird im Bauvertrag ausdrücklich vereinbart, weil die VOB/C von ungebrauchten Stoffen ausgeht. Tragende Bauteile brauchen in der Regel eine Zustimmung im Einzelfall.

Wie fange ich mit zirkulärem Bauen an?

Mit einer Erfassung des Bestands vor Umbau oder Rückbau. Mit ConcularExchange erfassen Sie Bauteile mit der Mobile App, bieten sie in Ihrer Bauteilbörse an und matchen sie mit Gesuchen aus Ihren Projekten.

Ihre eigene Bauteilbörse

Wir zeigen Ihnen in einer Demo, wie ConcularExchange Bauteile vom Rückbau bis zum Wiedereinbau begleitet.