Wissen · Urban Mining

Urban Mining: der Gebäudebestand als Rohstofflager

Urban Mining nutzt Gebäude und Infrastruktur als Quelle für Bauteile und Materialien. Statt Abriss und Entsorgung werden Bauteile erfasst, schonend ausgebaut und wiederverwendet – im eigenen Bestand oder über eine Bauteilbörse.

ConcularExchange: Urban Mining

Was ist Urban Mining?

Urban Mining bezeichnet die Bewirtschaftung des sogenannten anthropogenen Lagers: aller Materialien, die in Gebäuden, Straßen und Leitungen verbaut sind. Das Umweltbundesamt beziffert dieses Lager in Deutschland auf rund 51,7 Milliarden Tonnen (Bezugsjahr 2010), mehr als die Hälfte davon in Gebäuden – und es wächst jedes Jahr um rund 0,8 Milliarden Tonnen.

Gleichzeitig ist der Bau der größte Abfallstrom: 2024 fielen laut Umweltbundesamt 182,8 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle an, gut die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens. Wiederverwendet wird davon bislang nur ein sehr kleiner Teil – nach der Handlungsempfehlung von Concular für die öffentliche Hand (Stand 2024) rund ein Prozent der Bauprodukte aus dem Rückbau. Urban Mining setzt hier an und holt Bauteile zurück, bevor sie zu Abfall werden.

Urban Mining, Re-Use und Recycling

Die Kreislaufwirtschaft ist das übergeordnete Prinzip, Recycling nur einer von mehreren Verwertungswegen. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (§ 6 KrWG) legt eine Rangfolge fest: Vermeidung vor Vorbereitung zur Wiederverwendung, vor Recycling, sonstiger Verwertung und Beseitigung. Eine Tür, die als Tür weiterlebt, ist deshalb mehr wert als eine Tür, die geschreddert wird – ökologisch und meist auch wirtschaftlich.

Ablauf: vom Audit bis zur Vermarktung

  1. Pre-Deconstruction Audit: Bauteile werden vor dem Rückbau erfasst – nach DIN SPEC 91484 oder bedarfsbasiert, nur was gesucht wird. Für ein mittelgroßes Bürogebäude dauert ein Audit typischerweise vier bis acht Wochen.
  2. Anschlussnutzungskonzept: Für jedes Bauteil wird festgelegt, wie es weitergenutzt wird – nach DIN SPEC 91525.
  3. Rückbaukonzept und Ausschreibung: Der schonende Ausbau wird geplant und ins Leistungsverzeichnis übernommen.
  4. Selektiver Rückbau: Bauteile werden zerstörungsfrei ausgebaut, verpackt und gekennzeichnet.
  5. Vermarktung oder Wiedereinbau: intern im eigenen Bestand oder extern über eine Bauteilbörse.
  6. Dokumentation: Materialströme, Nachweise und der Gebäuderessourcenpass.

Der gesamte Prozess dauert je nach Gebäude drei bis zwölf Monate. Besonders ergiebig sind Bürogebäude aus den 1960er- bis 1990er-Jahren mit Systemtrennwänden, Türen, Leuchten, Doppelböden und technischen Anlagen.

Regeln und Normen

  • KrWG und Gewerbeabfallverordnung: Abfallhierarchie und Getrenntsammlung.
  • EU-Taxonomie: Für Abriss als Tätigkeit 3.3 ist ein Pre-Demolition-Audit vorgesehen.
  • DIN SPEC 91484 und DIN SPEC 91525: Erfassung vor dem Rückbau und Anschlussnutzungskonzept.
  • DGNB und Gebäuderessourcenpass: Rückbau und Wiederverwendung werden in Zertifizierungen bewertet.

Wie das Audit abläuft und ausgeschrieben wird, beschreibt unsere Seite Pre-Demolition-Audit nach DIN SPEC 91484. Eine bundesweite Pflicht zum Pre-Deconstruction Audit gibt es bislang nicht – viele Bestandshalter und die öffentliche Hand machen es dennoch zum Standard, weil es Entsorgungs- und Beschaffungskosten senkt.

Urban Mining mit ConcularExchange

Mit ConcularExchange wird Urban Mining zum Alltag in Ihrem Bestand: Bauteile mit der Mobile App erfassen, in der Lagerverwaltung CircularHub zwischenlagern, über Ihre eigene Bauteilbörse anbieten und automatisch mit Gesuchen matchen. Die Auswertung zeigt, welche Materialströme Sie auf welchem Verwertungsweg realisiert haben.

Stand: November 2026. Quelle und weitere Informationen: Urban Mining auf concular.de.

Häufige Fragen: Urban Mining

Was ist Urban Mining?

Die Nutzung von Gebäuden und Infrastruktur als Rohstoffquelle: Bauteile und Materialien werden vor dem Rückbau erfasst, schonend ausgebaut und wiederverwendet oder hochwertig verwertet, statt entsorgt zu werden.

Welche Gebäude eignen sich für Urban Mining?

Grundsätzlich jedes Gebäude vor Umbau oder Rückbau. Besonders ergiebig sind Bürogebäude der 1960er- bis 1990er-Jahre mit vielen standardisierten Bauteilen wie Systemtrennwänden, Türen, Leuchten und Doppelböden.

Wie lange dauert Urban Mining?

Ein Pre-Deconstruction Audit für ein mittelgroßes Bürogebäude dauert typischerweise vier bis acht Wochen, der gesamte Prozess bis zur Vermarktung je nach Gebäude drei bis zwölf Monate.

Ist ein Pre-Deconstruction Audit Pflicht?

Bundesweit bislang nicht. Für Abrisstätigkeiten nach EU-Taxonomie ist ein Pre-Demolition-Audit vorgesehen, und Zertifizierungen wie die DGNB bewerten Rückbau und Wiederverwendung.

Was ist der Unterschied zwischen Urban Mining und Recycling?

Recycling zerlegt Bauteile in Rohstoffe. Urban Mining zielt zuerst auf die Wiederverwendung ganzer Bauteile – nach der Abfallhierarchie des KrWG steht die Vorbereitung zur Wiederverwendung vor dem Recycling.

Ihre eigene Bauteilbörse

Wir zeigen Ihnen in einer Demo, wie ConcularExchange Bauteile vom Rückbau bis zum Wiedereinbau begleitet.